Kurzeit Bad Soden Salmünster, Ausgabe 10/
Oktober 2004

Die Vögel des Kinzigtals einmal hautnah erleben - Vogelkundliche Führungen am Rande des Stausees

KleiberEtwas huscht aufgeregt von Ast zu Ast, läuft um einen Baumstamm nach oben und kurz darauf wieder zurück. Nun klettert es kopfüber am Stamm nach unten und ruft unruhig in immer kürzeren Abständen „twit, twit, twit, twit ...“ Es ist ein Kleiber, dem wir offensichtlich zu nahe gekommen sind. Sein ruheloser Ruf dient dazu allen mitzuteilen: „Hey, ihr seit in mein Revier eingedrungen und habt hier nichts zu suchen. Verschwindet und haltet mehr Abstand!“

Aber nicht nur Kleiber verständigen sich mit einer ganzen Reihe verschiedener Signale, auch andere Vogelarten haben für jede Situation einen bestimmten Ruf auf Lager.
In der kalten Jahreszeit sind Vögel am einfachsten an einem Futterhäuschen zu beobachten. Wenn die Nahrung in der Umgebung knapp wird, finden sich dort viel verschiedenen Tiere ein, deren Verhalten man so in aller Ruhe studieren kann.

Für das ungeübte Auge oder Ohr ist es oft sehr schwierig diese einzelnen Arten zu unterscheiden. Deshalb bieten in diesem Herbst Biologen der Arbeitsgruppe Ökologie und Vogelschutz (AGÖV) aus Schlüchtern die Möglichkeit, Ein Biologe beim wiegen eines Kleiberseinige dieser Tiere ganz aus der Nähe zu betrachten. Am 17. Oktober findet um 14.00 Uhr eine zweistündige vogelkundliche Führung statt, in deren Verlauf Vögel zu wissenschaftlichen Zwecken mit dem Netz gefangen werden. Dabei werden die Methoden mit denen die Vogelkundler Gewicht und Flügellänge messen sowie die Art, Geschlecht und Alter bestimmen vorgestellt.

Vor dem Netzfang wird die Bedeutung der Kinzigaue erläutert, die inmitten einer Vogelzugroute liegt und als lebenswichtiges Rast- und Ruheareal für viele Zugvögel dient. Bis zu 2000 Tiere werden an manchen Tagen im Kinzigtal gezählt. Die Wissenschaftler stellen die Lebensräume der Auenlandschaft mit allen dazugehörigen Arten vor. Mit dem eigenen Fernglas wird gemeinsam die Wasseroberfläche beobachtet und auf ein paar typische Wasservögel wie Stockenten, Haubentaucher, Bläß- oder Teichrallen, Schwäne, Reiherenten oder sogar einen Graureiher gehofft. Am Wasser sowie in Feld und Flur können typische Singvogelarten wie Meisen, Finken, Drosseln oder Ammern in den Randbereichen des Sees gesehen oder gehört werden.

Weiterhin wird ein Einblick in die Geschichte des 50 Millionen Jahre alten Kinzigtals gewährt: Noch immer ist man sich nicht über den genauen Quellort der Kinzig einig; oder wer weiß heute noch, dass dieser Fluss einst in Teilen schiffbar war. Auch wird die kontroverse Diskussion über den Hochwasserschutz im gesamten Tal sowie Sinn oder Unsinn der Erbauung der Talsperre angesprochen. Ein paar allgemeine Informationen über den Stausee oder die Pflanzen der Aue runden das Programm ab.

Treffpunkt und Ausgangspunkt für die Führung ist das Stauhäuschen auf der Mitte der Staumauer. Der Wetterlage angemessenes Schuhwerk und Kleidung ist empfehlenswert, da befestigte Wege verlassen werden. Die Anmeldung erfolgt direkt bei der Führung. Erwachsene zahlen 3 Euro, für Kinder bis zu 14 Jahren ist die Teilnahme frei. Sollten Sie noch Fragen haben, wenden Sie sich an Hr. Goralewski (06056) 3373.

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letzte Änderung: 12. September 2004