Klärwerk - 28. August 1998

Ein Tag in der Vogelschutzwarte

Gebannte Kinderaugen verfolgen das Öffnen eines Nistkastens. Die Biologin holt sechs kleine Jungvögel aus dem mit Moos und Tierhaaren gebauten Nest. An der Nestbauweise sieht man bereits, dass eine Meise in den Nistkasten eingezogen ist. "Hier haben wir es mit Kohlmeisen zu tun! Wisst ihr auch woran man das erkennt?" Alle warten aufmerksam auf die Antwort. "Die Schnabelränder zeigen bei Kohlmeisen diesen Alters nach unten."

Hier in der Vogelschutzwarte in Fechenheim (Frankfurt a.M.) versucht man in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe Ökologie und Vogelschutz e.V. (AGÖV) neue Wege zu gehen. Stadtkinder konnten sich unter fachkundiger Leitung mit den Lebensbedingungen von Singvögeln vertraut machen. Unter dem Motto "Vogelkunde für Kids" bekamen die Schülerinnen und Schüler einer sechsten Klasse, aus Hungen Gelegenheit, praktische Erfahrungen zu diesem Thema zu sammeln. Bei einer Brutkontrolle im angrenzenden Waldgebiet konnte man Nestbauweise, Eier und Jungvögel verschiedener höhlenbrütender Vogelarten kennen lernen. Nebenbei wurden den Kindern so auch Techniken der ornithologischen Datenerfassung im Freiland für eine spätere Auswertung nahe gebracht. Beim Wiegen, Beringen und der Artbestimmung der Vögel, sowie dem Messen von Eiern oder dem Protokollieren all dieser Daten konnte jeder auch selbst mitwirken.

Anschließend bekamen die Schulkinder Gelegenheit spielerisch weitere Erfahrungen im Vogelschutz zu sammeln. Wie baut man einen Nistkasten für Vögel im Garten? Was bedeutet es für einen Vogel, nur mit dem Schnabel als einziges Werkzeug ausgestattet, ein Nest zu bauen? Und welche Knochenreste der unterschiedlichsten Nahrungstiere findet man im Gewölle von Eulen? Naturerkundungsspiele, kurze Ausflüge in die Umgebung und das Arbeiten mit Bestimmungsbüchern ergänzten das Programm des Kurses.

Tagesexkursionen dieser Art dienen der Bereicherung eines praxisorientierten Unterrichts. Lehrerinnen und Lehrern aus Schlüchtern beispielsweise steht ein spezieller Etat, der beim Schulamt beantragt werden kann, für solche Unternehmungen zur Verfügung.

Neben eintägigen Aktionstagen für Schulklassen, bietet die Arbeitsgruppe Ökologie und Vogelschutz auch fünftägige ornithologische Veranstaltungen für Kinder ab 8 Jahre an. Diese Kurse finden regelmäßig abgestimmt auf die jeweilige Jahreszeit in der Vogelschutzwarte in Frankfurt, in der Ökologischen Außenstelle der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Schlüchtern sowie im Schullandheim an der Wegscheide in Bad Orb statt. Vor allem das praktische Arbeiten mit Vögeln und das Erfahren der Umwelt stehen hierbei im Vordergrund. Durch kindgerechte Arbeitsblätter wird die Fülle an Informationen besser verarbeitet und kann später bei Bedarf jederzeit nachgeschlagen werden.

Bei einigen der kleinen Nachwuchs-Ornithologen ist das Interesse nach fünf Tagen aber erst so richtig geweckt. Viele kommen wieder, um den Kurs ein zweites oder gar drittes Mal zu besuchen. Für manchen ist es der Anstoß, sich auf Dauer für den Umweltschutz zu engagieren.

Die Finanzierung solcher Projekte steht jedoch immer auf wackligen Beinen. Ein geringer Unkostenbeitrag der Eltern und die zum größten Teil ehrenamtliche Arbeit der Biologen soll allen interessierten Kindern den Besuch der Veranstaltungen ermöglichen. Deshalb ist die Arbeitsgruppe Ökologie und Vogelschutz auf private Sponsoren angewiesen. Der Tag in der Vogelschutzwarte Fechenheim war beispielsweise nur aufgrund der Förderung von PreussenElektra möglich. Weitere finanzielle Unterstützung wird jedoch dringend benötigt, um die verschiedenen Veranstaltungen nach wie vor so kostengünstig wie möglich für alle Teilnehmer anbieten zu können. Für die Zukunft bleibt nur zu hoffen, dass auch die fachkundigen LeiterInnen in der Zukunft eine Möglichkeit erhalten, ihre Arbeit mit soviel Elan weiter fortzusetzen.

Autorin: Ulrike Raab

[zurück]

 
Seitenanfang
webmaster@agoev.de
 
© Arbeitsgruppe Ökologie und Vogelschutz e.V.
letzte Änderung: 21. Oktober 2002