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Kinzigtal-Nachrichten - 22. September 1999Viel Positives über Schnecken - Vortrag von Biologiestudentin Diana Senghaas bei der Arbeitsgruppe Ökologie und VogelschutzSchlüchtern - Schnecken. Vor allem in diesem Jahr sträuben sich bei den meisten Kleingartenbesitzern die Haare, wenn sie das Wort hören. Haben seit dem zeitigen Frühjahr diese Kriechtiere den Nutzpflanzen und Blumen doch besonders zugesetzt. Und nun trat in Schlüchtern jemand auf, der offenbar Schnecken mag (nicht auf dem Teller) und viel Positives über sie aussagte. Geschehen ist dies in einem Vortrag mit Lichtbildern, zu dem die Schlüchterner Arbeitsgruppe Ökologie und Vogelschutz in die Ökologische Außenstelle Schlüchtern der Uni Frankfurt eingeladen hatte. Es referierte Diana Senghaas, Studentin der Biologie, die sich auf die Schneckenkunde "Malakozoologie" spezialisiert hat. Ihr Thema: "Schnecken - ihre Bedeutung in Wissenschaft und Kultur". So sind Schnecken Bioindikatoren, weil sie empfindlich auf Umwelteinflüsse reagieren. Stark sprechen Gehäuseschnecken zum Beispiel auf den sauren Regen an. Durch diesen wird besonders im Buntsandstein der Kalk ausgewaschen. Die Schnecken können keine Häuser mehr produzieren und gehen in ihrem Bestand zurück. Auf den sauren Regen ist besonders auch der Rückgang bei Schnecken, die an Baumstämmen leben, zurückzuführen. Die Kalkung des Waldes und die dadurch eingetretene pH-Wert-Minderung wirkt sich günstig auf die Gehäuseschnecken aus. Von den in Deutschland vorkommenden 288 Schneckenarten stehen 133 auf der Roten Liste. Von den in Hessen vorkommenden 138 Arten sind 63 gefährdet. Die Artenverarmung hat natürlich auch ihre Ursache in der Zerstörung des Lebensraumes. Eine nicht unbedeutende Rolle spielen die Schnecken in der Medizin, in der vor allem dem Schneckenfuß Heilwirkung zugesprochen wird. Besonders bei Erkrankungen des Bronchialsystems wirkt Medizin mit Schneckenanteilen schleimlösend. Es gibt Schneckenpräparate speziell gegen Husten. Da die Körper von Schnecken und Menschen in vieler Hinsicht ähnlich sind, werden die Kriechtiere in der Herz- und Krebsforschung benutzt. Vor allem in Frankreich spielen Schnecken in der Esskultur eine bedeutende Rolle. In diesem Land werden die meisten Schnecken verspeist. Ihr Fleisch ist sehr nahrhaft und gesund. Das war im Mittelalter schon bekannt. Damals wie heute wird vornehmlich die Weinbergschnecke gegessen. Sie wurde auch aus dem Mittelmeerraum von den Mönchen nach Mitteleuropa eingeführt und in Schneckengärten gehalten. Als vor Jahren in Deutschland der Bestand der Weinbergschnecken durch das Sammeln für den Export nach Frankreich sehr stark abgenommen hatte, wurde eine Schonzeit vom 1. März bis Ende Juli eingeführt und die Bestimmung, dass die Schneckenhäuser mindestens 30 Millimeter Durchmesser haben müssen. Die vielfältige Form von Schneckenhäusern hat die Menschen veranlasst, sie in Architektur nachzubilden und in der Malerei darzustellen. Ihre Form- und Farbvielfalt führte zur Verwendung als Schmuck. In Afrika dienten sie als Währung. Die Referentin ging auch auf die Schädlichkeit der Schnecken in den Gärten ein. Sie riet, Komposthaufen, in denen sich die Schnecken gerne aufhalten, in gebührendem Abstand von dem Nutzgarten anzulegen. Häufiges Hacken mache den Schnecken das Leben schwer. Mit gehäckseltem Holz könne man besonders zu sichernde Pflanzen schützen. Notfalls seien die Schnecken abzulesen und in kochendes Wasser zu schütten. Das sei noch die humanste Beseitigung. Autor: Theodor Hahn [zurück] |
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Ökologie und Vogelschutz e.V.
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letzte
Änderung: 21. Oktober 2002
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