Kinzigtal-Nachrichten - 12. September 1999

Zusammenarbeit von Schlüchterner Ornithologen mit russischen Wissenschaftlern - Spenden für Ferienaufenthalte russischer Kinder gesucht

Schlüchtern - Die Biologie der Kohlmeisen wird nicht nur im Schlüchterner Raum erforscht, auch im russischen Rybachy interessieren sich die Wissenschaftler für diese weit verbreitetet Vogelart. 

Die Biologen der Schlüchterner Arbeitsgruppe Ökologie und Vogelschutz e. V. (AGÖV) stehen seit gut einem Jahr in Verbindung mit Kolleginnen der russischen Vogelwarte, um Untersuchungsergebnisse auszutauschen und gemeinsam verschiedene Fragestellungen der Vogelzugforschung zu untersuchen. 

Die Vogelwarte Rybachy - ehemals Rositten - wurde 1901 von Johannes Thienemann als erste Vogelwarte der Welt gegründet. Die Station liegt an der Kurischen Nehrung, einer langen, schmalen Halbinsel, die für ihre in Europa einzigartige Konzentration an Zugvögeln bekannt ist. Hier verbringt auch die aus Brachttal stammende Biologin Petra Wurst mehrere Monate im Jahr, um Daten für ihre Doktorarbeit zu sammeln. "An manchen Tagen", so erzählt sie, "kann die Zahl der über die Nehrung fliegenden Vögel die Millionengrenze überschreiten." Auch viele wassergebundene Vögel wie Gänse, Enten und Watvögel nutzen die Kurische Nehrung und angrenzende Teile des Haffs und der Ostsee als Rastplatz auf dem Zug vom Weißen Meer zur Ostsee. 

Petra Wurst berichtet den Schlüchterner Ornithologen regelmäßig über ihre Forschungsergebnisse, im Gegenzug waren zwei Mitglieder der AGÖV im vergangenen Jahr als ehrenamtliche Stationshelfer in Rybachy tätig. Mit viel Engagement wird dort unter sehr einfachen Bedingungen gearbeitet. "Um den Erhalt der traditionsreichen Vogelwarte zu sichern, sind große Anstrengungen nötig", berichtet Petra Wurst. Die Biologin ist auch bemüht, die Situation der Mitarbeiter der Forschungsstation zu verbessern. Daher ist es ihr ein besonderes Anliegen, für Kinder der Stationsangestellten für die Ferien eine Gastfamilie in Deutschland zu finden, denn während der 3 Monate dauernden Sommerferien gibt es in Rybachy kaum Beschäftigungsmöglichkeiten. Für die 13jährige Julia und den 11jährige Sascha, Enkel der Stationsköchin, konnte Frau Wurst bereits eine Gastfamilie finden. Die beiden Kinder haben ein besonders schweres Schicksal hinter sich, denn ihre Mutter wurde vor 10 Jahren ermordet. Zur Finanzierung der Reise ist Frau Wurst noch auf der Suche nach Finanzierungsmöglichkeiten. Wer etwas spenden möchte, kann dies auf das Konto 340510 der christlichen Osteuropahilfe Vogelsberg e.V. Birstein bei der Raiffeisenbank Birstein, BLZ 507 633 19, unter dem Stichwort "Julia und Sascha". Für Rückfragen steht Frau Wurst unter der Telefonnummer (06054) 6315 zur Verfügung.

Autorin: Roswith Bornholdt

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letzte Änderung: 21. Oktober 2002