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Kinzigtal-Nachrichten - 05. Dezember 1998Vortrag in der Ökologischen Außenstation über Forschungsstätte: Rybachy - Vogelwarte am Rande der WeltKlirrende Kälte, Schnee soweit das Auge reicht, nicht genug Holzkohle zum Heizen und die chronische Unterbesetzung des Mitarbeiter-Teams. Mit solch widrigen Umständen haben die Wissenschaftler der Vogelschutzwarte Rybachy (ehemals Rositten) im Frühjahr oder Herbst häufig zu kämpfen. Im Rahmen der Vortragsreihe "Ökologie - Forschung und Praxis" der Arbeitsgruppe Ökologie und Vogelschutz (AGÖV) schilderte Petra Wurst die Arbeitsbedingungen an der ornithologischen Station in Russland. Seit nunmehr drei Jahren arbeitet die junge Biologin im Königsberger Gebiet auf der Kurischen Nehrung an ihrer Doktorarbeit. Die traditionsreiche ornithologische Forschungsstätte gründete 1901 Johannes Thienemann als erste Einrichtung dieser Art in der Welt unter der Schirmherrschaft der Deutschen Ornithologischen Gesellschaft. Thienemann, Ornithologe und Jäger, etablierte Vogelberingungen als Basistechnik der systematischen Vogelzugforschung. Durch anschauliche Berichte über seine umfangreichen Forschungen sowie über Land und Leute im ehemaligen Ostpreußen informierte er ein breite Öffentlichkeit und verhalf so der Vogelwarte zu Weltruhm. 1944 musste die Station jedoch kriegsbedingt geschlossen werden. Sie wurde daraufhin nach Radolfzell an den Bodensee verlegt. 1956 nahmen aber sowjetische Wissenschaftler in dem nun in Rybachy umbenannten Ort die ornithologischen Arbeiten wieder auf. Man gliederte die Vogelwarte daraufhin dem Zoologischen Institut Leningrad der Akademie der Wissenschaften an. Die langgestreckte, schmale Nehrung an der die Station liegt ist einer der bedeutendsten Zugkorridore für Vögel im Nordosten Europas, mit bis zu einer Millionen Tieren am Tag zur Hauptzugzeit zwischen April und Mai sowie zwischen September und Oktober. Durch ihre mit der Hauptzugrichtung übereinstimmende Ausrichtung, bildet die durch das Haff abgegrenzte etwa 10 km lange Nehrung eine Leitlinie des Vogelzuges. In der biologischen Station werden nach einem standardisierten Fangprogramm jedes Jahr von März bis Anfang November Singvögel gefangen, beringt, gewogen, vermessen und wieder freigelassen. Dazu stellen die Ornithologen 73 Vogelfangnetze, die aneinandergereiht eine Länge von fast 1 km ergeben, unweit der Station an der Haffseite im Schilfgürtel auf. Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang werden in dieser Zeitspanne stündlich alle Netze kontrolliert. Über 190 verschiedene Arten ließen sich seit Aufnahme der Forschungstätigkeiten dort registrieren. Der Großteil der Fänge reduziert sich jedoch auf ungefähr 32 Vogelarten wie z.B. Rotkelchen, Wintergoldhähnchen, Dorngrasmücke, Gartenrotschwanz und Blaumeisen. Besonders gelungen wirkten die von der Referentin vorgestellte Dias von selten beobachteten Arten wie Bergfink, Braunkehlchen, Wendehals, Ziegenmelker, Beutelmeisen oder Seidenschwänze; ein "Who is who" bedrohter Vogelarten. Neben diesem riesigen Beringungsprojekt forschen einige Wissenschaftler über den nächtlichen Vogelzug, indem sie auf dem Dach liegend im starken Scheinwerferlicht den Sternenhimmel beobachten und sich so die Nacht um die Ohren schlagen. Auch Physiologische, Biochemische, Populationsbiologische und Orientierungs- Untersuchungen ergänzen das vielfältige Forschungsprogramm. Ein eher bedrückender Gesichtspunkt des Vortrags war die Darstellung der finanzielle Situation der Vogelwarte und der dort arbeitenden Mitarbeiter. Nachdem die Akademie der Wissenschaft in Sankt Petersburg, bedingt durch die aktuellen politischen Veränderungen in Russland, alle Gelder gestrichen hat, lebt die Station nun in ständiger Existenzangst. Bis 1999 wird die ornithologische Forschung zwar durch die deutsche Sielmannstiftung finanziert, doch danach ist die Zukunft ungewiss. Durch diesen sehr lebendig vorgetragenen Bericht kam jedoch letztendlich die Referentin ihrem Ziel ein gutes Stück näher: Der Knüpfung neuer Kontakte zwischen der Vogelwarte Rybachy und engagierten Ornithologen hier in der Ornithologischen Außenstation in Schlüchtern. Denn jede kompetente Hilfe ist dort willkommen. Warum nicht mal für ein paar Wochen in Russland verbringen? Autorin: Ulrike Raab [zurück] |
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© Arbeitsgruppe
Ökologie und Vogelschutz e.V.
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letzte
Änderung: 21. Oktober 2002
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