Brutbiologie

Wie entsteht ein Vogelei?

Kohlmeisen-EierAlle Vögel legen Eier. Obwohl auch viele andere Tiergruppen wie beispielsweise Reptilien, Fische, oder Insekten Eier legen, gibt es doch bei Vögeln eine Besonderheit: Sie überlassen ihre Eier nur in den seltensten Fällen ihrem Schicksal, wärmen und beschützen sie und kümmern sich meist auch um die Jungenaufzucht.

Während bei den meisten anderen eierlegenden Wirbeltierklassen immer auch Arten entstanden, die lebende Jungen zur Welt bringen, haben die Vögel diese Fähigkeit nie entwickelt. Der Grund liegt auf der Hand: Das Gewicht. Schon ein einziger Embryo, der über Tage oder Wochen im Mutterleib heranwächst, würde das Flugvermögen ernsthaft gefährden. Und mehr als ein Nachkomme erst recht. Selbst das Gewicht eines einzigen Eis muss ein Weibchen so schnell wie möglich loswerden.

Meist benötigt ein Ei vom Eisprung bis zur "Reifung" etwa 20 bis 25 Stunden, je nach Vogelarten manchmal jedoch auch Tage. Auf dem Weg vom Eierstock durch den Eierleiter lagert sich dem Ei schichtweise das Dotter an. Es enthält alle nötigen Nährstoffe für die Entwicklung eines Embryos zum Küken. Die Befruchtung erfolgt durch ein einziges Spermium im Eileiter, entweder durch eine kurz vorher stattgefundene Begattung oder durch schon seit Tagen oder Wochen in Ausstülpungen des Eileiters gespeicherter Samenzellen. So kann jederzeit wenn nötig ein Ei befruchtet werden.

Um das Dotter hüllt sich das Eiweiß, dass zum größten Teil aus Wasser besteht. Diese Feuchtigkeit benötigt der Embryo für seine Entwicklung. Immer noch im Eileiter passiert das in dünne Häute eingeschlossene Gebilde nun einen von einer kalkabsondernden Drüse umgebenden Abschnitt. Hier bildet sich eine poröse Schale, deren Grundsubstanz aus kohlesaurem Kalk (Kalziumkarbonat) besteht. Sie ist von zahlreichen Poren durchzogen, durch die der Keimling atmen und Wasser abgeben kann. Allein das Ei eines Haushuhns hat beispielsweise ungefähr 7000 solcher Poren.

Auf seinem weiteren Weg erhält die Eischale von spezielle Farbdrüsen Pigmente, die von Art zu Art aber auch von Vogel zu Vogel die riesige Farb- und Mustervielfalt erzeugen, die wir aus der Natur kennen. Die Farbe, die oft zur Tarnung dient, wird meist aus Blut oder Galle gebildet und in Tupfern aufgetragen. Das fertige Ei wird schließlich durch eine Muskelkontraktion in die Freiheit entlassen. Von hier an ist es gefährdet.

Autorin: Ulrike Raab

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letzte Änderung: 6. Februar 2003