Kohlmeise

Parus major

männliche KohlmeisenFast jeder hat schon einmal eine Kohlmeise in seinem Garten oder an einem Futterhäuschen gesehen. Sie ist nämlich die Meise, die in Europa am häufigsten vorkommt. Da sie mit 14 cm auch die Größte in unseren Breiten ist, ist sie leicht von den anderen Meisenarten zu unterscheiden.

Kohlmeisen haben einen auffallend gelben Bauch, von einem schwarzen Längsband über Brust und Bauch geteilt, einen schwarzen glänzenden Scheitel und weiße Wangen. Die Männchen sind meist intensiver gefärbt. Ihr Längsband ist breiter und tiefer schwarz als beim Weibchen.

Zur Brutzeit und über den Sommer fressen sie hauptsächlich Insekten, Larven und andere eiweißreiche Kost. So helfen Kohlmeisen aktiv bei der Schädlingsbekämpfung in Gärten, Parks und Wäldern. In der restlichen Zeit besteht ihre Nahrung dagegen zum Großteil aus ölreichen Samen und Früchten.

Ist genug Nahrung vorhanden, besetzen Kohlmeisen-Männchen die besten Reviere schon über den Winter. An sonnigen Tagen ertönt ihr Reviergesang "zi-zi däh, zi-zi däh, zi-zi däh" oft von einer hohen Warte. Bereits mit den ersten milden Frühlingstagen Ende März beginnen dann einige Meisenpaare gemeinsam mit dem Nestbau. Dazu beziehen die Vögel Baumhöhlen, Mauerritzen oder auch künstliche Nisthilfen. Selbst in wenig benutzte Brief-, Rollläden- oder Stromkästen wurden schon erfolgreich Bruten hochgezogen.

Das Nest besteht weitgehend aus frischem, grünen Moos und vielleicht noch ein paar Grashalmen. Anschließend wird die Nestmulde mit verschiedenen Tierhaaren gepolstert. In die Mulde legt das Weibchen 7 bis 13 weiße Eier mit hellbraunen Flecken.

Nach einer Brutzeit von 12 bis 14 Tagen schlüpfen die Jungen, die anfangs noch nackt und blind sind. In der ersten Zeit werden die Kleinen daher fast pausenlos von ihren Eltern gehudert, d.h. sie werden gewärmt. Drei Wochen später, in denen die Altvögel am Ende bis zu 800 Mal am Tag ihren Nachwuchs versorgen, sind die Nesthocker endlich flügge. Sie verlassen das Nest, werden aber noch weitere zwei bis vier Wochen gefüttert. Von Ende Mai bis Juni sind so überall kleine Trupps bettelnder junger Meisen zu beobachten, die ihre Eltern mit weit geöffnetem Schnabel und piepsend verfolgen. Jungvögel haben einen schieferschwarzen Scheitel, einen kleinen Kehllatz und gelbliche, unten nicht schwarz begrenzte Kopfseiten.

Nur wenn das Wetter und die Nahrungssituation sehr günstig sind oder wenn das erste Nest zerstört wurde, ziehen Kohlmeisen eine zweite Brut groß.

Der Bestand der Kohlmeise scheint in Mitteleuropa momentan nicht bedroht. Jedoch beobachten Wissenschaftler bei allen Meisenarten seit geraumer Zeit einen schleichenden Bestandsrückgang.

Autorin: Ulrike Raab


Kurzsteckbrief

Aussehen: Schwarz glänzender Scheitel, weiße Wangen und schwarzes Längsband auf der gelben Unterseite, Gesamtlänge 14 cm (Kopf-Schwanzlänge). Weibchen sind oft weniger intensiv gefärbt. Ihr Längsband auf Brust und besonders Bauch ist schmaler und nicht so tief schwarz. Jungvögel haben einen schieferschwarzen Scheitel, kleineren Kehllatz und gelbliche, unten nicht schwarz begrenzte Kopfseiten.

Gewicht: 16g bis 20g

Flügellänge: 71 mm bis 80 mm

Lebensraum: Wälder, Parks, Gärten und Städte

Nahrung: Größtenteils ölreiche Samen und Früchte, während der Brutzeit aber hauptsächlich eiweißreiche Nahrung wie Insekten, Larven und andere Kleintiere

Nest: Brütet in Höhlen oder Nistkästen, das Nest besteh hauptsächlich aus Moos und wird mit verschiedenen Tierhaaren und Federn ausgepolstert

Eier: durchschnittlich 8 bis 14

Brutdauer: 13 bis 14 Tage

Nestlingsdauer: 18 bis 20 Tage

Besonderheiten: Überwiegend Standvögel, die aber in manchen Jahren z.B. bei Nahrungsknappheit über weite Strecken wandern - besonders die nordöstliche Population. Die milden Winter der letzen Jahre haben diese Wanderungen jedoch zum Teil eingeschränkt.

Gefährdung: Gegenwärtig keine Bestandsbedrohung; profitieren von künstlichen Nisthöhlen; Verluste durch ungünstige Witterung während der Brutzeit und im Winter; aber: Gesamtpopulation ist seit den 80er Jahren schleichend rückläufig

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Arbeitsgruppe Ökologie und Vogelschutz e.V.
letzte Änderung: 30. Oktober 2003